IT-Camp in Hamburg

28 05 2010

Bin heute “unvorbereitet auf der Unkonferenz” im Lichtwerk in HH-Altona gewesen. Interessant und anregend.

Ausgangspunkt war die von Gerhard Wohland vorgetragene Theorie, dass zwischen “lebend” und “tot” korrekt unterschieden Werden muss, wenn man Probleme lösen muss/möchte? Alles klar?

Natürlich kann jeder zwischen lebend und tot unterscheiden – darum hat ja auch noch nie jemand einen Computer angeschrien, der zum ungünstigsten Zeitpunkt den Dienst versagte, oder…

Der tote (blaue) Bereich:

Marktdruck wird dadurch aufgebaut, dass jemand anderes etwas weiß, dass ich nicht weiß. Oder anders herum: ich bin zu dumm. Es herrscht Chaos. Das Chaos kann beseitigt werden, indem ich lerne was ich nicht weiß. Das mache ich, indem ich mir (Schüler) von einem Lehrer das beibrigen lasse, was ich nicht weiß. Wissen ist tot. Wissen ist transportabel. (Fast) jeder kann (fast) jedem (fast) alles beibringen. Funktionierende Lösungen für bekannte Probleme sind Methoden. Die kann man lernen. Die Organisationsform dafür:  Prozesse. Das ganze lernen wir in der Schule, das leuchtet jedem ein, wir greifen reflexartig zu genau diesem Vorgehen wenn wir unter Druck geraten.

Der lebende (rote) Bereich:

Es gibt aber einen zweiten Grund, warum man unter Druck geraten kann. Und zwar dann, wenn jemand anderes eine Idee hat. Wenn jemand anderes eine Idee hat, kann ich mich nicht wehren, indem ich diese Idee lerne, sondern indem ich auch eine Idee habe. Ideen kann ich mir nicht beibringen lassen. Um Ideen zu bekommen muss ich etwas richtig gut können. Auch das kann ich nicht lernen. Um etwas wirklich gut zu können, muss ich üben. Ein Lehrer hilft mir dabei nicht. Ich brauche einen Meister, der mich provoziert. Methoden helfen mir nicht, um zu üben, weil Methoden nur dort wirksam sind, wo die Problemlösung bekannt ist. Wenn ich eine Idee brauche, ist die Problemlösung nicht bekannt. Ich brauche ein Werkzeug. Die Art der Organisation: Projekte! Marktdruck durch fremde Ideen ist Dynamik. Dynamik entsteht wenn Märkte eng sind.

Im toten Bereich frage ich immer:WIE. Wie kriege ich das Problem gelöst. Darauf gibt es Antworten, wenn Wissen fehlt. Fehlt aber eine Idee, ist die Frage nach dem WIE falsch. Es gibt daher keine richtige Antwort. Die richtige Frage lautet: WER?

Wer hat soviel Können, dass er imstande ist, eine Idee zu bekommen, die das Problem löst. Das Problem ist neu, es gibt kein Wissen, wie man es löst. Man braucht eine Idee – diese kann nur ein Mensch erzeugen – deswegen ist dieser Bereich “lebendig”.

Auf die Frage nach dem WIE, also der Wissensfrage könnte notfalls auch ein Computer antworten – daher die Bezeichnung “tot”.

Soweit die Theorie. Nun beinhalten alle Sachen im realen Leben IMMER beide Seiten – das ist die Praxis. Wichtig ist, wie groß die Anteile sind. Ist der rote Anteil eines Problems sehr klein, führt die Beantwortung des WIE zu einer zufriedenstellenden Lösung. Ist der rote Anteil zu groß, muss ich die WER-Frage stellen. Dort, wo das nicht passiert, läuft es nicht gut – man kommt mit der Dynamik nicht zurecht…

Mit diesem theoretischen Rüstzeug ausgestattet bearbeiteten wir, die Teilnehmer, in mehreren Stunden Open Space viele Fragen…

Fazit: es hat sich gelohnt!


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